Trifft man damit denn überhaupt?

Diese Fragen, meist begleitet von einem skeptischen Stirnrunzeln, höre ich oft wenn ich auf dem Jagdschießstand in Liebenau die 100 Meter Disziplinen trainiere. Dabei sind 100 Meter wahrlich noch Nahdistanzen, wurden doch im ausgehenden 19ten Jahrhundert große internationale Wettkämpfe auf Entfernungen von bis zu "eintausend Yard" entsprechend 900 Meter ausgetragen. Auch heute gibt es diese Wettkämpfe noch die von einigen Enthusiasten rund um den Globus verteilt geschossen werden. Übrigens schon vor 400 Jahren gab es hochfeine Matchwaffen mit allen noch heute modernen Attributen wie Abzug mit Stecher, Diopter damals Lochgrinsel genannt und gezogene Läufe und wer was auf sich hielt und das notwendige Kleingeld hatte, leistete sich auch noch feine Schaftverschneidungen und Gravuren. Geschossen wurde damals wie heute mit Schwarzpulver und für die Geschosse kommt reines Weichblei mit geringem Zinnzusatz ( kleiner 1% ) zum Einsatz.

Was tut sich in Sachen Vorderlader im Deutschen Schützenbund ?

Allerhand muß man da sagen! Stehen doch allein neun Kugeldisziplinen über 25-, 50- 100 Meter und zwei Schrotdisziplinen mit jeweils 50 Tontauben im Programm. Dabei gibt es für alle Steinschloß- Kugeldisziplinen und alle 100 Meter- Disziplinen keine Klasseneinteilung. Das heißt alle Teilnehmer starten in der Schützenklasse. In den Perkussionsdiszplinen über 25- und 50 Meter gibt es Klasseneinteilungen für Damen und Herren jeweils für die Schützenklasse, Altersschützen und Seniorenklasse. In den Kugeldisziplinen beträgt die Wettkampfzeit 40 Minuten dabei sind 15 Wertungschüsse abzugeben. Dem Wettkampf ist ein 10 minütiges Probeschießen mit unbegrenzter Schußzahl vorgeschaltet.

Ich bin Pistolenschütze, gibt es da auch für mich Möglichkeiten ? und wenn ja welche ?

Ja - und zwar gleich drei verschiedene Kurzwaffen die alle über 25 Meter geschossen werden, stehen auf dem Programm.

1. Perkussionsrevolver 25 m stehend, Regel 7.40 nach Sportordnung ( SpO )

2. Perkussionspistole 25 m stehend, Regel 7.50 SpO

3. Steinschloßpistole 25 m stehend, Regel 7.60 SpO


Und für die Gewehrschützen gibt es ebenfalls drei Disziplinen die über 50 Meter geschossen werden.

1. Perkussionsgewehr 50 m stehend, Regel 7.10 SpO

2. Steinschloßgewehr 50 m stehend, Regel 7.30 SpO

3. Steinschloßmuskete 50 m stehend, Regel 7.35 SpO


Für die Freunde des Liegendschießens sind ebenfalls drei Disziplinen über 100 Meter vorgesehen.

1. Perkussionsfreigewehr 100m liegend, Regel 7.15 SpO

2. Perkussionsdienstgewehr 100 m liegend, Regel 7.20 SpO

3. Steinschloßgewehr 100 m liegend, Regel 7.31 SpO

Neu ins Programm aufgenommen wurde unter Regel 7.16 SpO, eine 300 m Disziplin für das Perkussionsfreigewehr.

Mit welchen Waffen wird das Vorderladerschießen betrieben ? Erstens mit historischen Originalen die den Regeln der Sportordnung entsprechen und dann mit Nachbauten die einem historischen Original entsprechen. Diese sogenannten Replikas sind heute überwiegend im Einsatz. Sollte Interesse an unserem Sport bestehen und der Kauf eines Vorderladers ( Steinschloßwaffen und einläufige / einschüssige Perkussionswaffen sind ab dem 18. Lebensjahr frei erwerbbar, für einen Perkussionsrevolver 6- schüssig, ist die neue gelbe WBK nach §14 des neuen Waffengesetzes erforderlich ) geplant sein, empfiehlt es sich vorher unbedingt mit einem " alten Hasen " über das Vorhaben zu sprechen. Das macht unbedingt Sinn denn sonst läuft man Gefahr und bekommt irgendwelchen " Schrott " angedreht. Und das könnte den Spaß an der ganzen Sache verderben !!

Welcher Voraussetzungen bedarf es nun um in den Vorderladersport einzusteigen ? Der Gesetzgeber sieht für die Erlangung der Sprengstofferlaubnis nach § 27 Sprengstoffrecht, ein Mindestalter von 21 Jahren vor. Mit Sondergenehmigung ist auch schon ein Einstieg mit 18 Jahren möglich. Der Lehrgang zur Erlangung der Sprengstoff Erlaubnis dauert einen Tag, in Verbindung mit einem Lehrgang zum wiederladen von Patronen sind es zwei Tage.

Zum Schluß noch einige Bilder die bei der Begriffsdefinition helfen sollen.

Bilder VL-Demo 001 + 002, Perkussionsgewehr 50m. Die Zündung erfolgt durch den Schlag des Hahnes auf das Zündhütchen, der erzeugte Zündstrahl wird über das " Piston " in den Pulversack der Waffe geleitet und zündet dort die Treibladung für das Geschoß.


Bild VL-Demo 003, Perkussionsfreigewehr 100/300m, mit Riemen


Bild VL-Demo 004, Perkussionspistole 25m

 

 

 

 

Bilder VL-Demo 005 + 006, Steinschloßpistole 25m, die Zündung erfolgt durch Funken die durch Reibung des im Hahn eingespannten Feuersteines an der Schlagfläche der Pulverpfannenabdeckung, der sogenannten " Batterie " entstehen und das Zündkraut auf der Pfanne entzünden. Diese Zündflamme dringt durch das Zündloch in den Pulversack der Waffe und zündet dort die Treibladung für das Geschoß.


Bild VL-Demo 007, Steinschloßgewehr 100m, mit Riemen


Bild VL-Demo 008, Perkussionsrevolver 25m, sechs-schüssig


Bild VL-Demo 009